Schlussbericht der Ombudsstelle

Sehr geehrter Herr X

Ihre Beanstandung vom 22. März 2017 habe ich von der Ombudsstelle SRG.D zuständigkeitshalber zur weiteren Bearbeitung erhalten und am 23. März 2017 die Chefredaktion von Bilanz zur Stellungnahme aufgefordert. Mit Schreiben vom 4. April 2017 ist die Stellungnahme fristgerecht bei mir eingetroffen.

Ich habe mir den beanstandeten Beitrag eingehend und in voller Länge angesehen, die Stellungnahme des Veranstalters gelesen und mir meine Gedanken gemacht. Ich kann Ihnen daher meinen Schlussbericht zukommen lassen.

Nach Art. 93 des Bundesgesetzes über Radio und Fernsehen (RTVG) prüft die Ombudsstelle die Angelegenheit und vermittelt zwischen den Beteiligten. Sie kann insbesondere die Angelegenheit mit dem Veranstalter besprechen, oder ihm in leichten Fällen zur direkten Erledigung überweisen. Sie kann auch für eine direkte Begegnung zwischen den Beteiligten sorgen, Empfehlungen an den Programmveranstalter abgeben oder die Beteiligten über die Zuständigkeiten, das maßgebende Recht und den Rechtsweg orientieren. Nach Art. 93 Abs. 2 RTVG hat die Ombudsstelle keine Entscheidungs- oder Weisungsbefugnis.

Sie stören sich an der Wortwahl, wie der Chefredaktor Dirk Schütz einen Teilnehmer der Diskussionsrunde der Sendung vom 5. März 2017, Peter Friedli, vorstellte. Dazu wurde der folgende Text verwendet: „Herzlich begrüssen möchte ich bei uns auch Peter Friedli, er ist Präsident Friedli Corporate Finance, Investor in zahlreichen Firmen in den USA, die dort mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen.“

Ihrer Meinung nach ist es falsch und irreführend, wenn Herr Friedli als erfolgreicher Investor vorgestellt wird. Herr Friedli sammelt gemäss ihren Ausführungen vorwiegend Gelder ein unter verschiedensten Firmennamen – seine Geschäfte seien nebulös und intransparent. Die Aussage von Herrn Dirk Schütz über Peter Friedli sei für den durchschnittlichen Zuschauer irreführend. Weiter stellen Sie noch die Fragen, was die Zeitschrift Bilanz für ihre Talk-Werbesendungen bei der SRG bezahlt und wer solche Sendungen vergibt, verantwortet und kontrolliert.

Der Chefredaktor von Bilanz unterbreitete dem Ombudsmann die folgende Stellungnahme:

„Herr Friedli investiert seit Mitte der neunziger Jahre in Firmen in den USA. Unter anderem war er Co-Gründer und Investor von Myriad Genetics in Utah, wie beiliegendem Artikel aus dem Wall Street Journal zu entnehmen ist, und hält heute noch eine Beteiligung. Sie finden alle Informationen auf https://myriad.com/. Die Mitarbeiterzahl betrug Ende Juni 2016 2206.

Ebenfalls war er ein Co-Gründer von Osiris Therapeutics in Columbia Maryland. Sie finden alle Informatioen auf www.osiris.com. Die Firma zählt heute 310 Mitarbeiter. Dazu kommen Mitarbeiter in den mehr als 20 Firmen,  in die Peter Friedli investiert hat. Insgesamt ist die Angabe von "mehr als 3000 Mitarbeitern" damit korrekt.

Über die Performance der Investitionen von Herrn Friedli wurde in der Sendung nicht gesprochen.
Im Geschäftsbericht der von Herrn Engler erwähnten Beteiligungsgesellschaft New Venturetec ist allerdings klar festgehalten: "The risk of venture capital investments is 100%.“ Damit wurde Herr X über die Risiken seines Investments aufgeklärt. 
 
Was die Finanzierung und Verantwortung der Bilanz-Talksendungen angeht, so gelten die bekannten Regeln von Presse-TV, an die wir uns vollumfänglich halten.“

Vorab beantworte ich Ihre in der Beanstandung letztgenannten Fragen, wobei ich Sie zur Frage der Finanzierung der beanstandeten Sendungen an die Chefredaktion der Zeitschrift Bilanz und allenfalls an die SRG verweisen muss. Als Ombudsmann habe ich zur Finanzierung der Sendung keine Kenntnisse und im Rahmen der Programmaufsicht kann dies nur dann eine Rolle spielen, wenn Geldgeber auf den Inhalt der Sendungen Einfluss nehmen. Zur Frage der Vergabe, Verantwortung und Kontrolle der Sendung kann ich Ihnen nur so viel mitteilen, dass im Rahmen der Konzession von Presse-TV ein Programmfenster bei der SRG besteht, welches inhaltlich von den Beteiligten Unternehmen verantwortet wird. Die programmrechtliche Kontrolle dieser Sendungen obliegt dem Ombudsmann und der unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen. Die Aufsicht über die Finanzierung der Sendungen erfolgt durch das Bundesamt für Kommunikation.

Nun zurück zur fraglichen Sendung und Ihrer eigentlichen Beanstandung. Herr Peter Friedli wurde erstens vorgestellt als „Präsident von Friedli Corporate Finance“. Gemäss Handelsregisterauszug ist Herr Friedli Geschäftsführer und einziger Gesellschafter mit Einzelunterschrift der Friedli Corporate Finance GmbH mit Sitz in Zug. Somit stimmt diese Aussage. Zweitens wurde er vorgestellt, als „Investor in zahlreichen Firmen in den USA, die dort mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigen“. Ich habe die Angaben von Chefredaktor Dirk Schütz dazu im Internet nachgeprüft und festgestellt, dass Herr Friedli Vorsitzender des Verwaltungsrats der Firma Osiris ist und auch Mitgründer und Investor von Myraid war. Gemäss Wall Street Journal hielt er eine Beteiligung an dieser Gesellschaft. Ob dies heute noch zutrifft, wie der Chefredaktor behauptet, konnte ich nicht nachvollziehen. Der erwähnte Wall Street Artikel stammt aus dem Jahre 2001(!). Ich konnte nicht exakt überprüfen, ob die Mitarbeiterzahl dieser beiden Firmen oder noch weiterer Firmen, bei denen Herr Friedli investiert hat, in den USA mehr als 3000 beträgt.

Ihnen geht es ja insbesondere darum, dass es falsch und irreführend sei, wenn Herr Friedli als erfolgreicher Investor vorgestellt wurde. Dazu muss ich feststellen, dass bei der Vorstellung des Diskussionsgastes nicht von einem „erfolgreichen Investor“, sondern nur von einem „Investor“ die Rede war. Auch im Verlaufe der Sendung wurde nie darauf hingewiesen, dass Herr Friedli ein erfolgreicher Investor gewesen sei. Seine Investitionen oder auch Fehlinvestitionen waren nicht Gegenstand der Sendung und wurden auch nie thematisiert. Bei der Sendung ging es um eine erste Einschätzung der Politik des neuen Präsidenten Donald Trump in den Vereinigten Staaten nach seinen ersten rund 100 Tagen. Dabei kamen dem Sendegefäss entsprechend natürlich auch Wirtschaftsthemen zur Diskussion, nie aber wurden die Investitionen von Herrn Friedli diskutiert oder von ihm selber in irgendeiner Art und Weise dargestellt.

Zusammenfassend komme ich zum Schluss, dass die Vorstellung von Herrn Friedli als Investor in zahlreiche Firmen in den USA korrekt und nicht irreführend war. Mit der Aussage, dass er in Firmen in den USA, die dort mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigten, investierte, wollte man aussagen, dass Herr Friedli Erfahrungen mit dem Wirtschaftssystem in den USA hat und zum Sendungsthema wohl auch einen sinnvollen Beitrag leisten kann. Da die Investitionen von Herrn Friedli nicht Thema der Sendung waren, ist es meiner Meinung nach auch von untergeordneter Bedeutung, ob seine Investitionen in die USA tatsächlich auch Firmen betrafen, die insgesamt mehr als 3000 Mitarbeiter beschäftigten oder nicht. Dieser Nebenpunkt war nicht zentral für die Willensbildung der Zuschauerinnen und Zuschauer, zumal die Investitionen von Herrn friedlich gerade nicht Gegenstand der Sendung waren.

Ich bitte Sie, das vorliegende Schreiben als meinen Schlussbericht gemäss Art. 93 Abs. 3 RTVG entgegenzunehmen. Über die Möglichkeit der Beschwerde an die unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen UBI orientiert Sie das beigefügte Merkblatt.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Oliver Sidler
Ombudsmann